Blog: Nepal Frühling 2017

1996 gründete der gemeinnützige Verein INTERPLAST Germany e. V. ein medizinisches Hilfsprojekt für Plastische Chirurgie in Kathmandu. In Kooperation mit dem nepalesischen Partner Sushma Koirala Memorial Trust wurde das Sushma Koirala Memorial Hospital (SKM-Hospital) in Sankhu eröffnet. Es trägt sich fast ausschließlich aus privaten Geld- und Sachspenden, die überwiegend aus Deutschland kommen. Zusätzlich wird das Projekt durch den vielfältigen ehrenamtlichen Einsatz vieler engagierter Ärzte und Helfer, die nach Nepal reisen, unterstützt. Alle ausländischen Ärzte und Fachkräfte arbeiten ausschließlich ehrenamtlich unentgeltlich und zahlen in der Regel ihre Flüge selbst. Auch die benötigten Lebensmittel und Getränke für das Frühstück und Abendessen bringen die ehrenamtlichen Helfer von zu Hause mit.

Bereits das vierte Mal reist Herr Dr. Rüdiger Lohmann für zwei Wochen nach Nepal, um dieses Projekt zu unterstützen.  In diesem Blog berichtet Dr. Lohmann täglich von seinen Erfahrungen und beschreibt die Verhältnisse im Krankenhaus und im Camp.

Weitere Informationen zu dem Hilfsprojekt finden Sie hier: http://www.nepalhospital.de/ 


 
 

Freitag, 31.03.2017

Morgens nach der Frühbesprechung haben wir (Dr. Hussmann und ich) uns zusammen gesetzt um mit Hein Stahl und Trudi Reske die Planung für das 20-jährige Jubiläum im Herbst zu besprechen. Viele Dinge sind zu bedenken: Gibt es ein wissenschaftliches Beiprogramm? Wer wird eingeladen? Wo findet die Feier statt? Wer sitzt wo? Wann gibt es welches Catering?, etc.. Dann sind wir das ganze Gelände abgelaufen um genauer abzuschätzen, wo wer platziert werden könnte. Bis das Programm steht ist noch einige Abstimmung notwendig.

Weiterhin haben Jürgen und ich die Reise unseres Rotary-Clubs zur Feier geplant. Wir haben begonnen Angebote für Busfahrten einzuholen und die Fahrtstrecken abgeschätzt. Mittlerweile haben wir eine recht genaue Vorstellung vom Ablauf.

Mittags, nach dem Packen der Koffer, hat Michael die Checkpad-Version, die jetzt live läuft, den Ärzten vorgestellt. Wir haben realisiert, dass eine Kopie aller Daten als Backup in der Google-Cloud liegt. Damit gehen Daten und Fotos auch dann nicht mehr verloren, wenn die Festplatten in den Rechnern in der Klinik ihren Geist aufgeben. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch Ärzte mit Androidgeräten jederzeit auf Daten zugreifen können.

Zum Abschied hatte Trudi noch einen Kuchen für uns gebacken. Gegen 16:00 Uhr sind wir dann mit Hein nach Kathmandu gefahren. Wegen der Straßenlage haben wir viel Puffer eingebaut. Traditionell sind wir dann ins Hotel Dwarika für einen Abschiedstee gefahren. Zu unserer großen Freude haben wir dort Christiane und Albert (zwei Anaesthesisten aus Villingen-Schwenningen) getroffen, die auf dem Rückweg von Buthan noch einen Sicherheitsstop in Kathmandu eingelegt hatten. Nach einem gemeinsamen Tee war dann aber tatsächlich das Abschiednehmen notwendig.

Das Einchecken am Flughafen war dann recht problemlos und wir haben in der Lounge noch ein Bier getrunken. Überpünktlich hat der Flieger nach Abu Dhabi dann abgehoben. Nach einem Aufenthalt von 2,5h ging es dann weiter nach Berlin. Um 7:00 war die Landung und (Gepäck bei Airberlin ist ja gerade kompliziert) gegen 8:00 hatte ich dann meinen Koffer und konnte mit meiner Familie nach Hause fahren.


Donnerstag, der 30.03.2017

Gleich morgens nach dem Frühstück sind wir (Dr. Jürgen Hussmann, Hein Stahl und ich) nach Kathmandu gefahren, um uns mit dem Deutschen Botschafter Meyer zu treffen. Da es in der Nacht heftig geregnet hatte, waren die Straßen noch etwas schlechter als sonst. In einigen Teilen ging es nur mit eingeschaltetem Allradantrieb durch den Matsch und die tiefen Pfützen. Wir sind immer wieder beeindruckt von der Leidensfähigkeit der Menschen, die sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Motorrad durch den Matsch kämpfen.

Obwohl wir mehr als zwei Stunden Fahrt eingeplant hatten, hat die Zeit dann genau gereicht. Nach mehreren Sicherheitskontrollen und Abgabe aller Taschen wurden wir eingelassen. In einem einstündigen Gespräch, haben wir dem Botschafter und dem für die Entwicklungshilfe verantwortlichem Mitarbeiter die Geschichte und aktuelle Situation des Krankenhauses nahegebracht. Da die Klinik in diesem Herbst 20 Jahre alt wird, haben wir ihn um ein Grußwort in der Broschüre und eine Rede bei der Jubiläumsfeier gebeten. Da Botschafter Meyer Mitte des Jahres in den Ruhestand geht, wird diese Bitte an seinen Nachfolger weitergetragen. Zusätzlich hat die Botschaft jedes Jahr ein Budget um Projekte zu unterstützen. Auch in diesem Bereich wollen wir uns bewerben. Weiterhin reisen wir im Herbst mit einer Gruppe unserer Rotarier (Unterstützer des Krankenhauses) zur Feier nach Sankhu. Wir würden uns da auch gerne mit dem Botschafter treffen, um etwas über die offizielle Rolle Deutschlands in Nepal zu lernen.

Nach diesem erfolgreichen Treffen waren wir mit Hein Stahl in der Pizzeria Fire and Ice. Hier war Hein während des Erdbebens und es gehört zum therapeutischen Programm jedes Jahr einmal dort zu essen und das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen.

Anschließend haben wir uns mit unserem Research-Team zur Abschlussbesprechung getroffen. Wir hatten die Rohdaten analysiert und einige Fehler gefunden. Weiterhin mussten wir noch ein System zur Analyse der Interviews entwickeln. Die weiteren Punkte waren das Follow-up und die Idee einer Populationsbasierten Studie.

Da wir im Herbst mit einer großen Gruppe nach Nepal kommen wollen, haben wir noch einige Hotels in Kathmandu und der Nähe des Krankenhauses angesehen.

Im Krankenhaus hatte Trudi ein sehr leckeres Abschiedsessen gekocht. Der erste Gang waren Datteln im Salamimantel.


Mittwoch, der 29.03.2017

Morgens haben wir, nach der Visite, der Krankenhausleitung sehr ausführlich vom Camp berichtet. Dann haben wir die weitere Planung bei Checkpad MED besprochen und uns weiter unserem Forschungsprojekt gewidmet. Mittlerweile hatten wir die Rohdaten der retrospektiven und prospektiven Patientenerfassung erhalten und haben uns die Ergebnisse für die einzelnen Variablen angeschaut. Nun müssen wir noch ein Modell für die Erfassung der Ergebnisse der Interviews entwickeln.

Am Nachmittag sind wir mit Bishwajeet Prajapati, dem administrativen Chef des Krankenhauses, nach Bhaktapur gefahren. Dort sind während des Erdbebens vor zwei Jahren mehr als 800 Menschen gestorben. Darunter waren auch Angehörige von Bishwajeet, die in Nachbarhäusern wohnten. Er hat uns sein Wohnviertel und die verschiedenen Teile von Bhaktapur gezeigt, die zum Teil sehr schwer zerstört waren.

Die allermeisten Häuser sind noch nicht wiederaufgebaut und die ehemaligen Bewohner wohnen noch in Blechhütten. Auch einige Tempel wurden zerstört und werden nun wieder rekonstruiert. Bei Häusern, die als Weltkulturerbe gelten und nicht mehr nutzbar sind, ist noch unklar, ob sie abgerissen werden können, um wiederaufgebaut zu werden, ohne den Status des Weltkulturerbes zu verlieren. Daher sind diese aktuell nur abgestützt und werden nicht repariert.

Anschließend waren wir noch bei Bishwajeet zu Hause eingeladen und haben seine Eltern, seine Frau und die beiden Kinder kennengelernt. Seine Frau hatte für uns sehr leckere nepalische Snacks zubereitet. Für das Team haben wir noch eine große, randvolle Schüssel leckersten Joghurts mitbekommen.

Da die Heimfahrt bei den aktuellen Straßenverhältnissen wieder nicht einfach war, wir Schräglagen von bis zu 15 Grad hatten und die Schlaglöcher ca. 30cm tief waren, landete ein Teil des Joghurts auf Jürgens Schuhen.


Dienstag, der 28.03.2017

Dieser Tag sollte der letzte für uns im Camp sein. Vor dem Frühstück haben wir also schon unsere Sachen gepackt.
Da der OP abends abgebaut werden sollte, wurden nur noch einfachere Fälle in lokaler Betäubung operiert. Jürgen und ich haben dann an zwei Tischen parallel operiert und sind gegen Mittag nach der Verabschiedung vom Team zu unserem Hotel gelaufen. Dort wurden wir dann mit einem Auto abgeholt und zum Flughafen gefahren.

Ich habe schon viele Flughäfen gesehen: Dies war mit weitem Abstand der abenteuerlichste.

Mit einem kleinen Flugzeug mit ca. 10 Sitzplätzen sind wir dann gestartet. Zwischen den Bergen haben wir langsam an Höhe gewonnen. Gefühlt waren die Berge rechts und links zum Greifen nahe. Die Wolken kamen, als wir auf Gipfelhöhe waren. Vorher hatten wir aber noch einen wunderbaren Ausblick auf hochliegende Bauernhöfe und schneebedeckte Gipfel. Schon nach ca. 30 Minuten sind wir dann in Nepalganj an der indischen Grenze gelandet. Dort waren 33 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Die gefühlte Temperatur betrug 42 Grad. Da unser Anästhesist mit an Bord war, hatten wir jemanden, der uns auf einen früheren Flug nach Kathmandu buchen konnte. Leider hatte der Flieger dann Verspätung. Die Zeit haben wir bei einem eiskalten Bier in der Kneipe des Flughafens verbracht.

Der Flug von Nepalganj nach Kathmandu ging wieder parallel zum Himalaja und die aus den Wolken herausschauenden Gipfel waren wieder wunderschön. Nach einer halben Stunde Warteschleife konnten wir dann in Kathmandu landen. Hein Stahl hat uns vom Flughafen abgeholt. Die kurze Überlegung in der Stadt noch zu Abend zu essen wurde schnell verworfen, da Trudi für uns Gulasch mit Kartoffelgratin und Gurkensalat gekocht hatte. Es war sehr lecker.


Montag, der 27.03.2017

Heute war ein reiner OP-Tag. Morgens um 06:30 Uhr klingelte der Wecker, bei Jürgen gab es kein warmes Wasser. Nach dem Frühstück sind wir zu Fuß ins Krankenhaus gelaufen. Ab ca. 08:15 Uhr haben wir dann operiert. Typische Fälle waren Narbenkontrakturen, Lipome oder Zysten.

Gegen 10:00 Uhr gab es ein kurzes Treffen mit der Leitung des Krankenhauses, an dem wir uns aufgehalten haben. Alle Ärzte des Krankenhauses und unser gesamtes Team haben sich vorgestellt und es wurden einige freundliche Worte gewechselt. Anschließend wurden wir gebeten einen Blick auf ein Neugeborenes zu werden. Der kleine Kerl hatte eine anale Fehlbildung und wahrscheinlich war auch im Bereich des Beckens etwas nicht in Ordnung. Wir haben Fotos gemacht, um diese an einen deutschen Kinderchirurgen zu senden, da wir mit dieser Art der Fehlbildung keinerlei Erfahrung haben.

An zwei Tischen ging es dann bis kurz vor Sonnenuntergang weiter. Das Team, das Patienten untersucht hat, sah pro Tag etwa 150 Patienten. Wir haben dann gemeinsam zu Abend gegessen und sind sehr müde ins Bett gefallen.


Sonntag, der 26.03.2017

Um 07:00 Uhr war Treffen zum gemeinsamen Frühstück. Um 07:30 Uhr war dann der Abmarsch zum Krankenhaus. Dem Busfahrer wollten wir die Fahrt durch die extrem engen Straßen ersparen. Jürgen und ich haben sofort um kurz nach acht angefangen zu operieren. Zwischendurch haben wir noch Patienten gesehen, waren aber praktisch den ganzen Tag am Tisch.

Die Patienten hatten meist Kontrakturen nach Verbrennungen. Bei einem Jungen haben wir eine sehr ausführliche Plastik nach einer nekrotisierenden Fasciitis, die fast das gesamte linke Bein einnahm, durchgeführt. Neben einem Verschiebelappen haben wir auch zwei Vollhauttransplantationen bei ihm durchgeführt. Durch die Mobilisierung des in Fehlstellung fixierten Knies leidet der arme kleine Kerl wahrscheinlich starke Schmerzen und ist im hiesigen Krankenhaus zur Schmerzkontrolle für eine Nacht aufgenommen worden.

Gegen 18:30 Uhr war dann Schluss und wir sind gerade noch bei Tageslicht zurück zum Hotel gelaufen.


Samstag, der 25.03.2017

Die Nacht war sehr kurz, da immer wieder jemand zur Toilette musste. Dann wurde im stockfinsteren Zimmer ein Handy angemacht. Um 05:00 Uhr war dann endgültig die Nacht vorbei. Nach Katzenwäsche an einem Schlauch auf der Straße und Zähneputzen ging es bei beginnendem Tageslicht wieder auf die Strecke. Wir waren der Polizei im Nachhinein für die Sperrung dankbar.

Gegen Mittag haben wir dann Jumla (2514m über dem Meeresspiegel) bei strahlendem Sonnenschein erreicht und sofort im Krankenhaus begonnen den OP aufzubauen und einen Bereich für die Untersuchung von Patienten einzurichten. Am ersten Tag haben wir ca. 160 Patienten gesehen und gegen 17:00 Uhr mit dem Operieren begonnen. Ein Patient war ca. 7h mit einer infizierten Wunde am Fuß aus den Bergen zu uns gelaufen. Bei seinem Haus lag der Schnee angeblich noch hüfthoch. Hier im Tal ist kein Schnee mehr, auf den umliegenden Bergen sind die Gipfel jedoch noch weiß.

Auf dem Weg zu unserem Hotel hat der Bus an einer sehr engen Stelle ein Haus gestreift. Dies führte zu einer sehr ausführlichen Diskussion von ca. 1,5h mit den Besitzern.

Als wir endlich um 21:00 Uhr im Hotel ankamen waren wir schmutzig und müde. Nach dem Abendessen haben wir noch den obligatorischen „Fingerbreit“ Whiskey mit einem Stück Wurst eingenommen und sind dann ins Bett gefallen.


Freitag, der 24.03.2017

Geplant war die Abfahrt für 06:00 Uhr. Es waren auch fast alle fertig, als sich herausstellte, dass der Fahrer noch eine Genehmigung für die Strecke benötigte. Schon war wieder eine Stunde vorbei. Nach 10 Minuten Fahrt musste dann gefrühstückt werden, so dass wir letztendlich (wie in Nepal so häufig) mit ca. 3h Verspätung auf die Strecke gingen. Geplant waren ca. 10h Fahrt bis nach Jumla. Die Straße war allerdings eher aufregend. Die Landschaft atemberaubend und die Berge immer höher. So konnten wir wieder nur sehr langsam vorankommen.

Weiterhin waren unzählige Baustellen auf der Strecke. Um 17:00 Uhr setzte dann noch ein Gewitter ein. Um 18:00 Uhr war dann Schluss. Die Polizei hatte den für uns nächsten Streckenteil gesperrt.

Da saßen wir nun im Dunklen in unserem Bus in einem Ort mit drei Häusern. Zum Glück hatte ein Haus zwei Schlafsäle, die wir dann besetzt haben. Die Familie ist in die Küche gezogen. Bei einer Kerze mit wahrscheinlich Hanföl haben wir uns dann über eine Flasche Whiskey hergemacht. Als wir dann im Schein der Telefone draußen die Zähne geputzt haben konnten wir einen grandiosen Sternenhimmel beobachten. Im Dunklen ging es dann mit Schlafsäcken auf die je drei Pritschen pro Schlafsaal (für je 7-8 Personen).

Es war sehr „kuschelig“ und die Geräuschkulisse der Nacht werden wir wohl nicht so schnell vergessen.


Donnerstag, der 23.03.2017

Morgens um 03:30 Uhr klingelte der Wecker und pünktlich um 04:00 Uhr war Abfahrt. Bis Kathmandu war alles stockdunkel, ab 05:00 Uhr waren sehr viele Nepali auf der Straße und es füllte sich merklich. Bis kurz nach 05:00 Uhr waren auch alle 15 Teammitglieder an Bord, die auf der Strecke eingesammelt wurden.

Die Straßen sind auch aus Kathmandu heraus in einem schrecklichen Zustand. Gegen 08:00 Uhr gab es dann ein gemeinsames Frühstück. Am späten Vormittag erreichten wir dann das Terai. Es war so schön wie immer: Frauen in den buntesten Saris, Rikschas, viele Sonnenschirme und fast das Gefühl in Indien zu sein.

Am späteren Abend erreichten wir dann das Gebirge und statt um 18:00 Uhr erreichten wir unser Hotel um 23:30 Uhr. Dann gab es noch ein sehr leckeres Bier und Abend(Mitternachts)Brot.



Mittwoch, der 22.03.2017

Gleich morgens um 08:00 Uhr haben wir uns auf den Weg nach Kathmandu gemacht um unser Research-Team zu treffen. Die Fahrt war wieder ein Abenteuer, da die Straße nach Kathmandu in einem Zustand ist, von dem Hein sagt, dass er in den letzten 20 Jahren nie schlechter war.

Wir sind dann mit dem Team alle Teile der Studie noch einmal durchgegangen und haben initiale Ziele und die aktuellen Analysen verglichen. Fehlende Bereiche haben wir besprochen und einen Plan für weitere Analysen gemacht.

Gegen 12:30 Uhr waren wir fertig und haben uns durch den Verkehr von Kathmandu zum Familienrestaurant Alice durchgekämpft. Jashwan, der Direktor unseres Krankenhauses, wollte uns die besten Momos Kathmandus zeigen. Es blieb natürlich nicht beim Zeigen und wir haben diese bestellt und gegessen. Der Preis pro Teller lag bei etwas über 3€. Die Momos waren wirklich sehr lecker.

Zurück im Krankenhaus haben wir mit Michael die letzten Absprachen zum Thema Checkpad MED getroffen und ich habe dann abends den obligatorischen Nudelauflauf gekocht.

Dann haben wir gepackt und nach dem Abschied von einigen Ärzten, die während unserer Zeit im Camp das Krankenhaus wieder verlassen, ging es früh ins Bett, da am nächsten Tag um 04:00 Uhr die Abfahrt angesagt ist. Wir müssen eine bestimmte Stelle auf der Strecke bis 10:00 Uhr morgens passieren, da danach die Straße für Bauarbeiten für ca. 5h gesperrt wird. Die Fahrzeit für die Strecke bis Surkhet ist mit ca. 16h angekündigt.


Dienstag, der 21.03.2017

Nach der morgendlichen Visite haben wir uns um die Datenverarbeitung gekümmert. Es wurden die Anpassungen an Checkpad MED besprochen, um die Nutzung in Nepal einfacher zu machen. Den Rest des Tages haben wir damit zugebracht, die ersten Auswertungen der Studie zu analysieren und Vorschläge zu machen, wie die Analysen einfacher und besser gemacht werden könnten.

Nachmittags haben wir dann eine Wanderung auf den Berg an der anderen Seite des Tals unternommen. Zum Abendessen hat Jürgen dann sein legendäres Schweinefilet mit Gorgonzolasoße zubereitet.


Montag, 20.03.2017

Morgens haben wir nach der Frühbesprechung und der Visite Michael in die IT des Krankenhauses eingewiesen und begonnen die aktuellen Versionen von Checkpad MED herunterzuladen. Die Netzgeschwindigkeit ist weiterhin nicht die höchste, dafür ist das Internet aktuell recht stabil. Es wurde auf einem nahegelegenen Berg eine Sendestation eingerichtet, mit der eine Verbindung hergestellt wurde. Letztes Jahr wurde beim Straßenbau noch fast jeden Tag die Leitung zerstört.

Nachmittags wurden wir in den neuen Brunnen eingewiesen. Um die Wasserzufuhr für das Krankenhaus unabhängiger zu gestalten, wurde neben der Leitung vom Nachbarberg ein Brunnen gebohrt. Da das Wasser sehr eisenhaltig ist und noch Ammoniak enthält, muss es aufbereitet werden. Dafür wurde ein Sandfilterbecken gebaut. Mit nur einer Pumpe ist es nun möglich eine Menge von ca. 30.000 Liter Wasser pro Tag zu fördern. Der aktuelle Bedarf liegt bei ca. 20.000 Litern.

Weiterhin haben wir die Ergebnisse der Studie bewertet und besprochen, welche weiteren Auswertungen sinnvoll sind. Am kommenden Mittwoch sind wir in Kathmandu und sind schon sehr gespannt, wie lange wir fahren.


Sonntag, 19.03.2017

Um 07:30 Uhr wurde gemeinsam gefrühstückt und um 08:15 Uhr war die erste Frühbesprechung. Es war sehr schön, das ganze Team wiederzusehen.

Dr. Santosh war im letzten Jahr zur Ausbildung in Indien, sodass wir ihn nicht sehen konnten. Dieses Jahr fährt er wieder mit ins Camp.

Nach der Visite hatten wir um 10:00 Uhr eine große Besprechung mit dem Forschungsteam unseres Projektes zur Erfassung der Versorgung von Verbrennungsopfern in Nepal. Fast 5.000 retrospektive Krankenakten der letzten fünf Jahre wurden aufgenommen und ca. 700 prospektive Fälle sind schon erfasst. Da die Erfassung noch einige Wochen läuft, hoffen wir auf ca. 1.000 prospektive Fälle. Weiterhin wurden 20 Gruppeninterviews durchgeführt, in denen Frauen und Männer zu ihrer Erfahrung und ihrem Wissen zu Verbrennungen befragt werden konnten.

Nachmittags sind Jürgen und ich dann nach Sankhu gelaufen, um uns den Fortschritt des Wiederaufbaus anzusehen. Sankhu war vor zwei Jahren durch das Erdbeben in weiten Bereichen zerstört worden und es kamen ca. 100 Menschen ums Leben.

Im Vergleich zu vor einem Jahr gab es massive Fortschritte. Ca. 80 % der zerstörten Häuser sind jetzt Baustellen. An den Tempelanlagen ist jedoch noch kein Fortschritt sichtbar.

Da plötzlich starker Regen einsetzte sind wir auf ein Bier eingekehrt und erst um 18:30 Uhr wieder im Krankenhaus gewesen. Kurz vorher ist Michael eingetroffen, der den Flieger 24h später nehmen musste.


Samstag, der 18.03.2017

Morgens um kurz nach 06:00 Uhr bin ich in Abu Dhabi gelandet. Der Flughafen war sehr voll, da gerade alle Maschinen aus der ganzen Welt ankamen. Die Lounge leerte sich dann aber recht schnell und um kurz nach 10:00 Uhr ging es weiter nach Kathmandu.

Das Wetter dort war schlecht. Daher mussten wir einige Warteschleifen ca. 80 km südlich vom Flughafen drehen. Der Anflug geht durch ein Tal, sodass rechts und links Berge auf Höhe des Flugzeugs zu sehen sind. Wegen des starken Regens sind wir jedoch durch Wolken geflogen und haben die Berge nur ab und zu gesehen. Ich hatte die Hoffnung, dass der Pilot wusste was er tat. Die Landung hat aber gut geklappt.

Nach den relativ kurzen Einreiseformalitäten ging es nach Draußen. Zunächst war niemand da, um mich abzuholen. Nach wenigen Minuten tauchte jedoch ein Mitarbeiter des Krankenhauses auf, der mich einsammelte. Die Straßen sind aktuell in einem gruseligen Zustand. Durch die nach dem Erdbeben vermehrte Bauaktivität, die jetzt endlich losgegangen ist, fahren sehr viele LKWs über die Straßen. Dies führt dazu, dass die Straßen noch schneller zerstört werden als vorher. Vom Krankenhaus wird nur noch sehr begrenzt nach Kathmandu gefahren. Das Ziel ist, möglichst alle notwendigen Fahrten zusammenzulegen und lieber eine Stunde in der Stadt zu warten, als noch einmal die Strecke fahren zu müssen.

Jürgen, Hein und einige weitere Ärzte hatten eine Rundfahrt in den Norden von Kathmandu unternommen und sich dabei etwas verfahren. So wurden aus einer 3h-Fahrt eine 9h-Fahrt. So waren sie nicht rechtzeitig zurück, um mich vom Flughafen abzuholen.

Die Ankunft im Krankenhaus war wieder sehr herzlich. Da Samstag der freie Tag der Woche ist, war es jedoch recht leer.

Nach dem gemeinsamen Abendessen bin ich dann recht müde ins Bett gefallen. Das Zimmer ist dieses Jahr so kalt, wie ich es noch nie erlebt habe. Bis vor einer Woche waren nachts Minusgrade und eine Heizung gibt es nicht. Der Aufenthalt im Zimmer geht eigentlich nur, wenn man sich sofort ins Bett verkriecht.


Freitag, der 17.03.2017

Abends um 21:35 Uhr ging es wieder los nach Nepal. Jürgen Hußmann ist schon einen Tag früher geflogen. Eigentlich sollte mich Michael Beaumont, einer der Entwickler des Checkpad MED aus Freiburg, begleiten. Allerdings war das Flugzeug, das ihn aus Stuttgart nach Berlin bringen sollte, defekt. Daher war er nicht rechtzeitig in Berlin und konnte am Freitag noch nicht mitfliegen.